Kurz erklärt: Der Raspberry Pi als PC-Ersatz

Posted by GSL-Team - 31. Oktober 2018 - Kurz erklärt, Magazin - No Comments

Wenn man den Herstellern des Kleinstrechners Raspberry Pi (kurz: Raspi oder Himbeere) glauben darf, kann der kleine Tausendsassa im Prinzip auch einen Desktop-PC ersetzen. Hier soll kurz erklärt werden, wo dabei die Probleme liegen:

Es ist wie bei Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber…

Ich weiß nicht, ob man heutzutage die Witze mit Fragen an den fiktiven Sender Radio Eriwan noch kennt, die auch fast alle nach dem „Ja, aber“-Prinzip funktionieren. Beispiel gefällig?

Frage: „Darf man Pilze aus Tschernobyl wieder essen?“
Antwort: „Ja, aber dann darf Ihre Toilette nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen sein.“

Bei der Frage nach einem Raspi als PC-Ersatz ist es ähnlich. Prinzipiell funktioniert das ja durchaus, aber ein echter Power-User, der sein Arbeitspensum normalerweise mit einem modernen Vielkerner unter Windows 10 mit massig Arbeitsspeicher und einer schnellen Halbleiter-Festplatte (SSD) als Massenspeicher bewältigt, dürfte damit wohl kaum glücklich werden.

Poweruser treibt es in die Verzweiflung

Auch wenn man einen schnellen Raspi 3B+ mit 64 Bit, 1 GByte RAM und vier Kernen bei 1,4 GHz nutzt, braucht man schon viel Geduld, bis der Desktop endlich Eingaben erlaubt. Und wer daran gewöhnt ist, mit einem oder mehreren Dutzend offenen Tabs im Browser durchs Netz zu surfen, dürfte sich schnell fragen, wann diese Qual endlich vorbei ist.

Auch besonders schnelle (und teurere) Speicherkarten können das nicht ausreichend kompensieren. Da die Kleinstrechner auch ziemlich heiß werden, schaltet sich die Taktfrequenz ziemlich schnell herunter und verschlimmert die Probleme noch.

Hier können zwar ein stärkeres Netzteil und ein guter Lüfter Abhilfe schaffen, aber auch das kostet wieder mehr Geld. Damit ist ein solches Raspi-System dann auch kaum noch günstiger als ein kleiner Windows-Rechner, und man muss sich schon fragen, wo der Sinn des Umstiegs dann überhaupt noch liegen sollte.

Geduld und Selbstdisziplin können helfen

Wer nicht die nötige Geduld aufbringt, kann die fehlende Leistung ja auch mit entsprechenden Verhaltensanpassungen kompensieren. Das Mailprogramm muss ja nicht unbedingt konstant im Hintergrund laufen, und wenn die Bilder und Fotos bearbeitet sind, kann die fette Grafiklösung zur Bildbearbeitung ja auch geschlossen werden, damit das Erklärvideo von YouTube nicht so stark ruckelt.

Mit anderen Worten: Selbstdisziplin kann etwas helfen, aber einem echten Poweruser vor einem Raspi läuft beim wehmütigen Gedanken an einen schnellen PC mit Windows 10 und SSD recht schnell der Geifer aus den Mundwinkeln…

One-Trick-Ponys sind mit einem Raspi gut bedient

Ich kenne aber auch einen Stahlhändler und einen Großmarkt, bei denen ein an der Rückseite der Monitore angebrachter Raspi diese „PCs“ direkt in das Firmenprogramm hinein bootet, mit dem Dutzende von Mitarbeitern ihren Job jeden Tag ohne nennenswerte Probleme fahren können.

Auch eine Bekannte, die als Schriftstellerin arbeitet und im Grunde ihre Vorlagen und Anregungen weniger im Internet findet, sondern normalerweise ihrem eigenen Kopf entnimmt, ist auch durchaus zufrieden mit ihrem preisgünstigen, platzsparenden und wegen des geringen Energiebedarfs auch umweltschonenden Himbeer-Rechner.

Meine eigene Erfahrung mit einem Raspi-PC

Ich selbst habe es als Power-Blogger mit durchschnittlich zwei Dutzend offenen Browsertabs zur Veröffentlichung der Artikel unter WordPress und für die Recherche, Word mit mindestens zwei offenen Fenstern zum Schreiben der Artikel, Outlook zum Mailen und für die Terminübersicht, meiner starken Bildbearbeitung und Skype für die Kommunikation mit Kollaborateuren, Kunden und Freunden schon nach einer Stunde mit einer Himbeere das Handtuch geworfen.

Seitdem sitze ich wieder hoch zufrieden vor meinem Windows-10-1809-Vierkerner mit SSD und viel RAM…

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