Von Höhlenmalereien zum griechischen Alphabet
Die Geschichte der Schrift beginnt mit Bildern. Durch Höhlenbilder und Felsmalereien drückte der Mensch seine Hoffnungen, Wünsche und Ängste aus – lange bevor der Mensch schreiben konnte. Das älteste bekannte Schriftsystem der Welt, die etwa handgroße Keilschrift, entstand etwa 3100 v. Chr. in Mesopotamien ( = Zweistromland im heutigen Irak / Iran – Gebiet) und wurde in Ton geritzt. Die Schrift entstand im kulturellen Umfeld früherer Städte für die Verwaltung. Sie war zunächst eine reine “Buchhalterschrift” und keine Darstellung der gesprochenen Sprache.
Das erste Alphabet, das nicht mehr aus Zeichen, sondern aus Buchstaben bestand, wurde von den Phönizier erfunden. Einige Zeit danach, um etwa 500 v. Chr., entstand das griechische Alphabet. Dieses war vergleichbar mit dem phönizischen Alphabet, bestand aber nicht mehr nur aus Konsonanten, sondern auch aus Vokalen.
Die frühere Darstellung der Zahlen
Verbunden mit der Entwicklung der Keilschrift in Mesopotamien verlief auch die Entwicklung von Techniken der Informationsverarbeitung. Die Entstehung der babylonischen Mathematik bildete um 1800 v. Chr. einen Höhepunkt. Sie gilt als höchst entwickelte Form der Verarbeitung abstrakter Information vor der klassischen Antike.
Ziffernsysteme sind älter als Schriftsysteme. Durch Tonkugeln, Kerben in Holzstäbchen, Knochen und Ton oder Knoten, die an Schnüren aufgereiht waren, wurden Zahlensysteme “notiert”. Bestimmte Zahleneinheiten und ihren Vielfachen kamen dabei oft besondere Zeichen zugeordnet: Zum Beispiel wurde die Zahl 5 mit den Fingern einer Hand, die 10 mit den Fingern beider Hände und die 20 mit den Fingern und Zehen beider Füße und Hände dargestellt. Rechnen konnte man zu dieser Zeit allerdings noch nicht.
Die Deutung der Schrift
Die Schrift ist die Wiedergabe der Sprache durch sichtbare fixierte Zeichen, die uns unabhängig vom gesprochenen Wort macht. Sie speichert Information und hält sich über längere Zeit verfügbar. Unsere heutige Buchstabenschrift steht am Ende einer Entwicklung, die um 3000 v. Chr., vor 5000 Jahren, mit Bildzeichen, Wort- und Silbenschriften begann. Jahrtausendelang war die Schrift fast die einzige Möglichkeit, Informationen über größere Entfernungen zu transportieren. Die Fähigkeiten des Lesens und Schreibens sind bis heute wichtig für das Funktionieren hoch entwickelter Kulturen. Seit der Römerzeit wurde diese Fähigkeit für immer größere Teile der Bevölkerung nutzbar. Etwa nur 30 Prozent der Römer konnte Lesen und Schreiben. Diese schrieben auf Wachstäfelchen mithilfe eines Griffels. Im Mittelalter jedoch hatte nur der Clerus diese Gabe, Könige und Kaiser meistens nicht. Damals wurde mit Tinte auf Pergament geschrieben.
Johannes Gutenberg und die Erfindung des Buchdrucks
Früher war die Vervielfältigung von Büchern oder Schriftstücken gar nicht oder kaum möglich. Die Mönche schrieben die Bibeln ab. Dies war aber sehr umständlich, weil die Buchstaben sozusagen gemalt wurden und sie deshalb teilweise ein Jahr dafür brauchten. Erst seit der Erfindung des Buchdrucks um 1450 durch Johannes Gutenberg (1400 – 1468) konnten Schriftstücke beliebig vervielfältigt werden. Gutenberg, der sich zu dieser Zeit in Straßburg befand, beschäftigte sich schon seit 1436 mit dem Buchdruck. Vor ihm gab es auch schon Druck auf Papier und Stoff durch Stempel und eingefärbte Platten (teilweise war dies sogar mit gegossenen Eisenlettern möglich – in Asien und Europa). Das Neue an Gutenbergs Erfindung waren aber die beweglichen Lettern. Er druckte von der Bibel etwa 100 – 200 Exemplare, von denen bis heute nur noch etwa 40 erhalten geblieben sind. Diese Variante war viel billiger im Gegensatz zu der schon vorher existierenden, denn sie hatte den Vorteil, dass sich auch Bauern und arme Leute Bücher leisten konnten und das Wissen besser verbreitet werden konnte. Somit war ein höherer Bildungsstand möglich.
Woher kommt unsere Schrift?
Durch die Finizier gelangte das Alphabet zu den Griechen, die es für ihre Sprache umwandelten. Die griechische Schrift ist die Grundlage des lateinischen Alphabets. Nach dem Untergang des römischen Reiches entwickelten sich aus dem Lateinischen die sogenannte Nationalschriften. Während der Zeit Karls d. Großen entstand daraus wiederum die Karolinger Minuskel, welche die Grundlage des heute gebräuchlichen Kleinbuchstabenalphabets ist. Darauf entstanden die gothischen Schriften und daraus wiederum die deutsche Schreibschrift, welche aber von der lateinischen Schrift verdrängt wird. (cd, sb, mf aw)
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