Browser Welt

Ein Exkurs in eine weite Landschaft von Kompatibilitäten und Inkompatibilitäten. Eine Geschichte von Giganten aus Redmond und widerspenstigen Entwicklern aus dem Norden Europas.

Wer heute nach dem “richtigen” Browser sucht, wird eine Vielzahl an unterschiedlichen Meinungen hören, die eine gewisse Ähnlichkeit zum “Glaubenskrieg” zwischen Windows und Linux aufweisen. Fakt ist, dass der Internet Explorer aus dem Hause Microsoft gegenwärtig unangefochten der am weitesten verbreitete Webbrowser mit einem Marktanteil von etwa 81 % (laut Webreference) ist. Doch das war längst nicht immer so.

Es fing alles an mit einem Menschen namens Tim Berners-Lee, der 1989 im Europäischen Teilchenlabor CERN in Genf das so genannte Hypertext-System entwickelt hatte, das einen Grundstein in der Entwicklung des World Wide Web legte. Da es an einer Forschungseinrichtung entstand, war es ursprünglich auch nur für Forscher gedacht; Forscher aus aller Welt, die nun Texte veröffentlichen und mit Hyperlinks verbinden konnten. Berners-Lee nannte seine Erfindung, in dem Glauben an eine weltweite Vernetzung, World Wide Web; kurz WWW. Zwei Jahre später gelang durch einen Wissenschaftler aus Stanford, der Berners-Lee in Genf besucht hatte, sich eine Kopie der Erfindung anfertigte und diese auf dem Universitätsserver in Stanford installierte, der Durchbruch. Die nötige Software zum Aufbau des WWW war frei im Internet verfügbar. Somit auch der erste Browser überhaupt.

Große Verbreitung fand der Browser und WWW-Client Mosaic, eine Software des NCSA (National Center for Supercomputing Applications) der Universität von Illinois. Beflügelt durch den großen Erfolg dieses Browsers gründeten die beiden Mosaic-Entwickler Jim Clark und Marc Andreessen am 4.4.1994 ein Unternehmen, um mit ihrer Entwicklung Geld zu verdienen. Die Verwendung des Firmennamens Mosaic wurde ihnen später aus rechtlichen Gründen untersagt, und so kam es zur Umbenennung der Firma in Netscape Communication Inc. Netscape Navigator, so hieß die auf Mosaic aufbauende Software, übertrumpfte den Vorgänger mit verbesserte Benutzerführung und wartete mit zahlreichen neuen Funktion wie z. B. Frames auf, die auch Einzug in den offiziellen HTML-Standard hielten. Der Netscape Navigator sollte als Marktführer für lange Zeit zum Synonym für Webbrowser werden, bis Microsoft das WWW entdeckte.

Im Jahr 1995 – das Betriebssystem Windows 95 stand frisch verpackt in den Läden – setzte der aufstrebende Software-Konzern aus Redmond, mit Kapitän Bill Gates an der Spitze, die Segel mit Kurs auf Internet. Netscape sollte verdängt werden und Microsoft die vorherrschende Rolle im Browsergeschäft spielen. Mit Hochdruck wird am Microsoft-Browser Internet Explorer gearbeitet, der es mit der Version 4.0 tatsächlich schafft, den Communicator 4.0 von Netscape technologisch zu überholen.

Eine aggressive Verbreitungsstrategie Microsofts ließ Netscape schnell zurückfallen. Microsoft verschenkte den technisch überlegenen Internet Explorer einfach, während Netscape von Anfang an auf den Verkauf der Software gesetzt hatte. Weiterhin wurde der Internet Explorer fester Bestandteil des Windows-Betriebssystems. Das heißt, wer das neue Windows 98 verwendete, konnte mit einem Mausklick den Internet Explorer verwenden. Netscape zog zwar nach und verschenkte die Software ebenfalls, diese musste jedoch vom Anwender erst auf der Website heruntergeladen und dann installiert werden. Im Grunde für den Anwender ein überflüssiges Unterfangen, wo er doch schon den leistungsfähigeren Internet Explorer auf dem Rechner hatte. 1998 klagen das US-Justizministerium und 20 Einzelstaaten gegen Microsoft wegen des unlauteren Wettbewerbs und Verstoßes gegen die Kartellgesetze. Ein Rechtsstreit beginnt, der sich über Jahre hinzieht und auch heute noch nicht beigelegt ist.

Netscape brachte etliche 4.xx Versionen seines Browsers heraus, allerdings entsprach keine mehr den Bedürfnissen der Anwender und beachtete kaum die geltenden Standards des W3C. Netscape 4 wurde zum regelrechten Hassobjekt vieler Web-Designer – von denen vielen aufhörten, ihre Seiten an Netscape anzupassen – und auf vielen Websites durch so genannte Browserweichen einfach ausgesperrt.

Im November 1998 übernahm AOL Netscape und zog die Konsequenzen aus dem damaligen Status quo des Netscape-Browsers: Der neue Netscape 5.0 wurde nicht mehr veröffentlicht; die Vision von einem neu entwickelten Browser kommt auf. Das Projekt Mozilla wurde ins Leben gerufen. Jeder Interessierte sollte die Möglichkeit haben, an dem freien Quelltext mitzuarbeiten. Aufbauend auf Mozilla sollten dann auch wieder neue Netscape-Versionen erscheinen. Im November 2000 ist dies der Fall. Netscape 6.0 erschien mit neuer Technik und neuer Oberfläche, doch der Erfolg bleibt auch dieses Mal aus. Kritiker bemängelten Stabilität und Geschwindigkeit des Browsers, und der Internet Explorer beherrschte nahezu den gesamten Browsermarkt, sodass auch später erschienene Netscape-Versionen kaum Erfolg haben. Knappe sieben Prozent der Internet Gemeinde verwenden derzeit laut Webreference einen Netscape-Browser.

Während des Wettrüstens von Microsoft und Netscape erhob sich 1995 im Norden Europas ein neuer Konkurrent: Die Norweger Jon S. von Tetzchner und Geir Ivarsøy gründeten die Firma Opera Software und brachten ein Jahr später den gleichnamigen Webbrowser als kostenpflichtige Shareware auf den Markt. Opera überlebte als Nischensoftware. Ressourcen sparend und schnell ist die Software, die auf verschiedenen Betriebssystemen läuft. Mittlerweile gibt es auch eine kostenlose Version, in der allerdings ein Werbebanner angezeigt wird. Opera unterstützt alle wichtigen Standards, kommt laut Webreference allerdings nur auf etwa 1,3 % Marktanteil. (ta)

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