Keine Passwörtermitteilung an Behörden, dann folgt die Inhaftierung in England

Posted by malo - 26. November 2009 - News - No Comments

Whow, als ich diesen Artikel bei gulli.com gelesen habe wurde mir anders, denn das, was dem Hobbywissenschaftler der unter dem Pseudonym „JFL“ auftritt passiert ist, sollte mir oder uns besser nicht passieren.

JFL ist der erste Engländer der inhaftiert wurde, weil er sich weigerte den Ermittlungsbehörden die Passwörter für den Zugang zu seinen Festplatten mitzuteilen. Ein wenig grotesk, denn JFL war mehrfach in psychologischer Behandlung und gilt deshalb als psychisch krank.

2007 wurde durch die britische Regierung die RIPA (Regulation of Investigatory Powers Act) eingeführt und soll im Bereich der Bekämpfung des Terrorismus eingesetzt werden. Dort ist festgelegt, dass jeder, der sich weigert seine Passwörter heraus zu geben, mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden kann und dies ist nun der erste Fall.

JFL hat keine Vorstrafen und nun fragt sich jeder Leser wie es dazu kommen konnte. Ins Visier der Polizei geriet JFL als er im September 2008 von Frankreich nach England einzureisen versuchte und Spürhunde der Beamten in Frankreich Alarm schlugen bei einer von JFL mitgeführten Modell-Rakete. Zudem war seinerzeit noch eine inzwischen erledigte Zollangelegenheit offen. Im folgenden Verhör schwieg JFL kontinuierlich und erklärte später, dass er generell Misstrauisch gegenüber Autoritäten sei und sein Schweigen ihm ja nicht zur Last gelegt werden könne. Negativ wirkte sich zudem aus, dass geringste Sprengstoffspuren an seinen Händen nachgewiesen wurden, aber in so verschwindend geringen Mengen, dass hieraus keine Anklage erfolgen konnte. Die Verurteilung folgte zu neun Monaten Haft aufgrund der Weigerung und Offenlegung der Passwörter zu seinen Festplatten. Hier erklärte JFL er wolle seine vertraulichen Daten seiner kleinen Software-Firma schützen. Die Verurteilung wurde umgewandelt in eine Bewährungsstrafe und kurz darauf wurde er wieder festgenommen, weil er ein Taschenmesser mitführte und wieder wollten die Beamten den Zugriff auf seinen Computer und seine USB-Sticks und wiederrum weigerte sich JFL. Er fühle sich hilflos und unter Druck gesetzt sagte er später und man wolle ihm eine Straftat anhängen und genau aus diesem Grund versuchte sich JFL abzusetzen und unter zu tauchen, wurde allerdings wieder aufgespürt. Die Beamten stürmten seine Wohnung mit Maschinenpistolen, die Festnahme erfolgte und die wiederholte Aufforderung innerhalb einer Stunde die Passwörter herauszugeben für die mit dem Programm „PHG Whole Disc Encryption“ verschlüsselten Datenträger. Da es sich um mehrere Datenträger handelte schloss sich nun der x-fache RIPA-Verstoß an, aber JFL schwieg beharrlich weiter, aus Prinzip wie er sagte.  Die Beamten vermuteten auf den Datenträgern „Kinderpornografie oder Bombenbau-Anleitungen“. Es kam wie es wohl kommen musste, denn er wurde verurteilt und ins Gefängnis gesteckt bis er im Herbst in die psychiatrische Abteilung verlegt wurde.

Der Richter räumte ein, dass von JFL keine Bedrohung für die nationale Sicherheit ausgehen würde und stets ein sehr zurückgezogenes von Computern, Internet und wissenschaftlichen Experimenten dominiertes Leben führe, aber es seien ja auch Bücher über Themen wie Schusswaffen, Drogenherstellung und Verschlüsselung gefunden worden. Allesamt offiziell bei Amazon gekauft und für jeden englischen Bürger verfügbar. Weitere Indizien seien vorhandene Chemikalien, Körperpanzerungen und eine Menge Bastelkram sowie ein Metalldetektor und somit sei es doch verständlich, dass die englischen Behörden von terroristischen Hintergründen bei JFL ausgegangen seien. Man habe versucht die Datenträger zu knacken, sei aber letztlich gescheitert. Verurteilt wurde JFL als gewöhnlicher Krimineller und nicht als Terrorist, da er sich mehrerer Straftaten schuldig gemacht habe, die aber allesamt mit mangelnder Kooperation mit den Behörden zu tun haben. Keinerlei Rolle spielte die psychische Verfassung von JFL und die Regierung sowie die Ermittler sind nach wie vor davon überzeugt, RIPA im Kampf gegen den Terrorismus zu benötigen, da die Regierung die Verschlüsselung der Daten (E-Mails und Dokumente) offenbar als Bedrohung ansieht.

Fälle wie dieser machen nachdenklich und wie schnell kann man mit falschem Hobby zu falscher Zeit am falschen Ort sein. So sieht die Kehrseite aus und man wird vom unschuldigen Bürger zum Betroffenen. Was würden Sie tun? Schweigen oder Reden? Eine Haftstrafe riskieren oder nachgeben? JFL ist jedenfalls bittere Realität und keine fiktive Geschichte.

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