Internet-Telefonie – Mobilfunkanbieter drängen ins Internet

Posted by malo - 8. Oktober 2009 - Magazin, News - 1 Comment

Amerikanische Mobilfunkgiganten wie AT&T haben sich zu einem Strategiewechsel entschieden. Bislang befürchtete die Branche, dass Umsatz wegbrechen würde, wenn Ihre Netze für die kostengünstige Internettelefonie (Voice over IP) kurz Voip öffnen würden. Dieser Strategiewechsel könnte die globale Telekommunikation entscheidend verändern.

AT&T öffnete überraschend ihr Mobilfunknetz für Internet-Telefon-Software von Drittanbietern wie Skype, Vonage oder Trufone. Damit ist ebenfalls das beliebte IPhone von Apple mit eingeschlossen. Bislang war die Web-Telefonie über das IPhone kategorisch verboten. Der Marktführer Verizon ist vorher eine Partnerschaft mit Google eingegangen und beide Partner wollen in Produkte und Dienstleistungen auf der Basis des Android-Betriebssystems von Google für Smartphones investieren und schafft somit eine Alternative zu AT&T, welche durch seine Partnerschaft mit Apple einen riesigen Vorteil auf dem Markt hat.

Der Strategiewechsel war äußert sinnvoll, denn die Anbieter wetteifern um sehr zahlungskräftige Kunden der Zukunft für Smartphones wie Googles Android oder Apples IPhone, denn der Verkauf der Geräte ist mit teuren Daten-Flatrateverträgen gebunden. Währen der Gesamtmarkt für Mobiltelefone um 6 % nachgab, stiegen die Verkaufszahlen im zweiten Quartal um 27 % auf 40 Mio. Stück.

Kein Geld zu verdienen ist im Smartphonebereich mit billigen Prepaid-Karten, und nach veröffentlichten Statistiken aus Deutschland liegt der durchschnittliche Umsatz pro Monat bei datenlastigen Smartphone-Verträgen fast doppelt so hoch wie bei „normalen“ Handynutzern.

Verständlich, dass sich dieser Umsatz kein Anbieter entgehen lassen möchte. Die Smartphones werden mit Datenflateratepaketen angeboten und sind daher für die Internettelefonie (Voip) sehr interessant. Skype und andere nutzen das Mobiltelefon um eine Datenverbindung ins Netz herzustellen und darüber wird ein günstiges Telefonat aufgebaut.

In der Vergangenheit haben Mobilfunkanbieter solche Dienste blockiert und Skype musste seine Funktion für das IPhone deaktivieren, bevor es in den Handel kam. Inzwischen ist dies Schnee von gestern und die Mobilfunkanbieter haben umgedacht. So langsam werden aus ehemaligen reinen Mobilfunkanbietern mobile Internet-Zugangsprovider.

SMS und Telefongespräche verlieren an Interesse, denn Internetbasierte Dienste wie Facebook, Messenger-Dienste wie Skype, Kartendienste , Bezahldienste, Mobiles Shopping und Entertainmentangebote haben hier die größere Anziehungskraft für den Endkunden. Lt. Skype haben rund 9 Mio Nutzer des IPhone die Telefonsoftware aus dem Web auf Ihr Handy geladen und so hofft Skype, dass solche Signale aus Amerika auch in Europa richtig verstanden werden. Die Abneigung der Kunden dass Ihnen vorgeschrieben werden soll was diese mit Ihren Flatrate-Datenpaketen machen dürfen und was nicht, sei verständlich so der Europabeauftragte von Skype. Skype habe klare Signale der EU-Kommision, dass diese die Netzneutralität im Mobilfunkmarkt verteidigen werde. Hier versteht die EU Kommission, dass die Nutzung des gewählten Mobilfunknetzes so erlaubt sein muss, wie der Endkunde dies wünscht und keine Einmischung des Mobilfunkanbieters erfolgen darf, indem er dem Endkunden vorschreibt die Nutzung der Möglichkeit von Voip auszuschliessen.

Eine zusätzliche Grundgebühr verlangen die großen Mobilfunkanbieter T-Mobile und Vodafone hier in Deutschland für die Erlaubnis zur Internettelefonie. Auf diese Gebühr verzichtet die Telefonica, welche eine Tochter von O2 ist.

Über die Thematik von Voip-Telefonaten gibt es zwei Ansichten:

Aus der Sicht der Mobilfunkanbieter:

Web-Telefondienste wie Skype und Co unterhalten keine eigenen Telefonnetze, sondern sind auf die Netze der Mobilfunkanbieter angewiesen. Die Mobilfunkanbieter haben Milliarden investiert in Ihre Netze und Betreiber von Web-Telefondiensten wollen hier abkassieren und erwarten eine Entschädigung für entgangene Gewinne aus dem Verkauf von Telefonminuten argumentieren die Mobilfunkanbieter.

Aus der Sicht der Web-Telefondienste:

Der Endkunde hat ein Datenpaketvertrag abgeschlossen und dafür bezahlt. Was die Endkunden mit diesen Datenpaketen anstellen, hat den Mobilfunkanbieter nicht zu interessieren, denn Netzneutralität sei heilig. So sei es auch am heimischen PC und Ihren Internetflatrates, denn auch hier hat es den Anbieter nicht zu interessieren man man im Internet mit seiner Flatrate tue.

Sicher ist, dass das gute alte Telefon aussterben wird, genau wie seinerzeit der Telegraf. Wie bereits die Festnetzbetreiber umdenken mussten, so steht diese Wandlung jetzt im Mobilfunkbereich an und die Betreiber werden sich anpassen müssen.

Der Wandel in den Mobilfunknetzen wird dazu führen, dass die bislang einzeln bezahlten Dienste wie Gespräche, E-Mails oder SMS in einen Grundpreis für die Netznutzung fallen wird. Das ist hart für die Anbieter, aber gut für die Nutzer. Man geht also von einem Gericht mit vielen Zutaten und einer Extra-Zahlung der Zutaten über in ein „Ein-Topf-Gericht“ wenn man es mal so salopp ausdrücken möchte. Die Kunden werden diesen Vorteil sehr wohl zu nutzen wissen, denn Sparpotential bietet die Möglichkeit von Voip sehr wohl und hier werden die Kunden die Wettbewerber sehr streng vergleichen und das günstigste „All-In-Angebot“ herausfiltern können.Facebook Like

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